Montag, 21. September 2009

Wieder ist eine Woche vorüber und ich muss mir selbst eingestehen, dass ich es mit dem Blogschreiben doch etwas schleifen lasse. Zu meiner Entschuldigung kann ich sagen, dass ich die letzte Woche wieder viel unterwegs war, sei es um kulturell etwas zu erleben oder um selbst ein wenig Action zu machen. Das schwierige Verhältnis, dass mich mit dem Bier hier verbindet, trägt außerdem dazu bei, dass ich meinen Blog etwas vernachlässigt habe. Aber soviel sei gesagt: Ich gelobe Besserung. In jeglicher Hinsicht. Das letzte Mal habe ich vergangen Montag geschrieben. Am Dienstag darauf haben sich einige der Exchange-Students getroffen um Fußball zu schauen. Bayern gegen Maccabi Haifa. Naomi und ich waren auch mit dabei. Nach meinem Lettischkurs habe ich mich mit ihr getroffen, war vorher noch ein bisschen Einkaufen und habe mir das erste mal in Lettland etwas unnützes gekauft. Also nichts für den Haushalt oder was zu Essen oder so. Nein, ein reduziertes Sommertop, für 3 lat, von dem ich nach dem Kauf nicht mehr so genau wusste, ob ich es mag oder nicht. Nachdem ich mehrere Meinungen eingeholt habe bin ich übrigens mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass ich es gut finde. Schwierig, wenn man sich selbst nicht entscheiden kann. Nun ja, jedenfalls habe ich mich anschließend mit Naomi getroffen, wir waren noch was Essen und weil die anderen noch nicht da waren, haben wir uns erstmal in den Biergarten auf dem Domplatz gesetzt. Nach und nach sind dann alle eingetrudelt, wir haben Fußball geschaut, getrunken und uns prima amüsiert. Nach dem Spiel ging es noch in die FrenchBar, ich weiß nicht, ob ich von der schonmal erzählt habe. Das ist DER Treffpunkt für Austauschstudenten schlecht hin. Sehen und gesehen werden. Zuviele Leute, zuwenig Platz, schlechtes Bier. Aber man geht hin. Obwohl ich das, glaube ich, zukünftig vermeiden werde. Irgendwann war Naomi weg und ich bin dann mit ein paar anderen nach hause gefahren. Naomi ist sicher, dass sie sich noch bei uns verabschiedet hat, aber keiner konnte sich mehr daran erinnern. Plötzlich war sie weg und ich bin letztenendes mit ein paar anderen nach Hause gefahren. Zum Glück war Naomi hier. Also alles nur halb so schlimm. Bis auf meinen Kater. Der hat mich noch den nächsten Tag begleitet. Dabei ging es am Mittwoch ins Jugendstilmuseum. Das war wirklich toll. Eine Wohnung, eingerichtet im Jugendstil, der Guide im Jugenstilldress. Es war wirklich interessant. Und der Höhepunkt war, als wir uns Hüte im Jugenstilstyle aufsetzen konnten. Ich hatte noch nie einen toten Fasan auf dem Kopf... Naja, den restlichen Mittwoch war nicht mehr viel los mit mir. Schlafen, erholen, was zu essen kaufen, kochen, mich von Naomi unterhalten lassen. Abends hab ich mich dann aber wieder gelangweilt. Aber die Vernunft hat gesiegt und ich blieb zuhause. Donnerstag war den ganzen Tag Uni, das erste Mal Russischsprachkurs, ich bin noch nicht sicher, in welchem Kurs ich bin. Da sind Leute dabei, die haben ein Jahr Russisch, andere haben schon fünf Jahre. Aber eigentlich egal. Ich kann nur einmal die Woche zu Russisch gehen, da an dem zweiten Datum meine Dienstagmorgenlettischvorlesung über Morfologie ist. Blöd, aber muss sein. Zum Glück hab ich mit Liisi Russisch, sie bringt mir dann das Zeug mit und wiederholt mit mir. Wirklich sehr praktisch. Latvian Literature war auch ganz okay, aber ich kann mir nicht helfen, manchmal langweilig. Abends dann noch Lettischkurs und dann gings nach hause. Später haben Naomi und ich uns in der Stadt getroffen. Mal ein paar Mädchengespräche geführt. Das war auch richtig toll. Anschließend gings ins Alberts Pub, diese Sportbar in der Fußball war. Das Spiel war schon vorbei als wir kamen und keiner mehr da. Haben uns trotzdem rein gesetzt. Zufällig kamen dann noch ein paar von den Erasmusstudenten. Das war ganz gut. Als Frau in einer Sportbar wird man ganz schön komisch angeschaut. Vorallem wenn man ohne männliche Begleitung kommt. Wir sind dann weiter gezogen in die FrenchBar, und da hab ich dann wirklich beschlossen, dort nicht mehr hin zu gehen. Wir haben uns dann auch ziemlich bald aus dem Staub gemacht.
Freitag kam dann mein erster Besuch nach Greifswald. Nadin und Marcel aus Hamburg. Außerdem hatte Ingolf Geburtstag, was dann auch noch zünftig gefeiert wurde.
Am Samstag haben sich meine Gäste, Franzi, Ingolf und ich uns ein weiteres Mal auf den Weg nach Jūrmala gemacht. Diesmal hatten wir mehr Glück. Das Wetter war traumhaft, der Himmel strahlend blau. Wir haben sogar alles auf Anhieb gefunden.
Jūrmala ist wirklich ein Traum, Strand soweit das Auge reicht, die "Stadt", eigentlich ist es ja keine, eher mehrere aneinandergereihte Dörfer, ist total schön. ich möchte bitte auch eine Holzhausvilla. Es ist in dieser Hinsicht wirklich schade, dass ich vom Sommer in Lettland nicht viel mitbekommen habe. Aber Jūrmala ist sicher auch im Herbst und Winter ganz toll. Abends haben wir bei mir im Wohnheim noch ein bisschen gemütlich zusammengesessen und gegessen und uns zum Schluss einen Anschiss von der Kommandante eingefangen, weil die anderen doch wirklich erst 23:03Uhr das Wohnheim verlassen haben. Skandal! Drei Minuten zu spät. Wir geloben Besserung.
Gestern ging es dann auf ein Folkdingsbums. Ich hab keine Ahnung, wie ich es am besten nennen könnte. Es war eben Folklore in einem Freilichtmuseum, mit Verkaufsständen, Musik und so. War aber auf jeden Fall sehr lustig und auch mal was anderes. Zudem ist die Gegend dort sehr sehr schön. Mežaparks heißt der Teil Rigas. Man ist mitten im Wald, es gibt sogar einen See, aber trotzdem ist man noch in Riga. Wirklich toll. Soetwas braucht jede Stadt. Nachmittags haben wir dann noch den Turm der Petrikirche erklommen. Mit dem Fahrstuhl. Die Aussicht war phänomenal. Ich bin ja ein großer Fan von Aussichtsplattformen und Städten von oben. Abends bin ich mit Nadin und Marcel noch was Essen gewesen.
Ja und heute kam dann der krönende Abschluss des Wochenendes. Ein Besuch auf dem Fernsehturm, was ich mir ja schon immer vorgenommen habe. Die Anfahrt ist schonmal klasse. Mit dem Bus bis auf die Daugava-Insel Zaķusala (übersetzt Haseninsel). Auf dieser Insel ist nichts. Außer dem Fernsehturm, dem Fernsehstudiohaus und Hasen und Füchsen (daher wohl auch der Name...). Aber mir scheint, die Insel dient in Riga als Verkehrsübungsplatz. Es geht ja auch nur gerade aus und eigentlich kommt einem nie was entgegen. Wir sind dann direkt auf den Turm zu marschiert. Dort angekommen stellten wir fest, dass es wirklich schwierig war dort hinein zu kommen. Ist nicht so wie beim Berliner Fernsehturm. Neee. Hier muss man beim Wachmann klingeln, der lässt einen dann ein. Wir konnten zum Glück eine lettische Familie verfolgen, sonst hätten wir wahrscheinlich nie hinein gefunden. Wir und die lettische Familie waren dann auch die einzigen Besucher. Es ging mit einem Fahrstuhl den schrägen Pfeiler nach oben auf etwa 100Meter. Höher geht es derzeit nicht, obwohl der Turm eigentlich 368,5m misst und somit höher ist, als der Berliner Fernsehturm und überhaupt ist er das dritthöchste Freistehende Gebäude in Europa. Was ich nicht alles weiß... Oben hat man dann einen ganz tollen Blick über die Haseninsel, die zwei Seiten der Daugava, über die Stadt und die Umgebung. Leicht getrübt allerdings durch wirklich dreckige Fenster. Meine bilder sind nicht so grau weil das Wetter schlecht war. Nein, weil die Fenster nicht geputzt waren! Der Besuch dort hat sich wirklich gelohnt, ich werde alle Rigabesucher dort hinschleppen. Schon allein, damit sie sagen können, die waren auf der Haseninsel ;-)
Nachmittags hab ich Nadin und Marcel zum Flughafen geschafft. Ein bisschen traurig war ich schon, aber das hat sich gegeben. Morgen steht wieder ein langer Unitag bevor. Ich mach es mir jetzt noch ein bisschen gemütlich, schaue mal, inwieweit mir das Internet noch meinen Willen lässt.
Ich bin gespannt, was diese Woche so bringt und dann melde ich mich sobald als möglich wieder.

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