Morgen bin ich nun eine Woche hier in Latvija. Es ist schon irgendwie unglaublich. Einerseits fühle ich mich, als würde ich Urlaub machen, weil die Uni noch nicht angefangen hat und ich den ganzen Tag nichts richtiges mache, aber andererseits ist mir, als wäre ich schon ewig hier. Das liegt wohl daran, dass sich hier eine gewisse Routine breit gemacht hat. In die Stadt fahren, rumgucken, Fotos machen, einkaufen, kochen... Es ist, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Mittlerweile bin keine ich die Strecke von unserem Bus (Trolejbus 15) in die Stadt so gut, dass ich nicht mehr auf die Ansagen hören muss. Habe ich eigentlich von dem Ticketsystem für den Bus erzählt? Man kann einmal normale Tickets bei Fahrer kaufen (0,50 Lats) aber man kann auch Mehrfahrten-Talons kaufen. Das sind Karten auf denen mehrer Fahrten sind und sobald man einen Bus besteigt, muss man sie vor so einen Automaten halten, der Piepst und zeigt an, wieviele Fahrten man noch hat. Blöd ist natürlich, dass man das jedesmal machen muss, auch wenn man nur umsteigt und eigentlich noch gar nicht dort ist, wo man hin will. Aber der Bus zur Uni ist eh direkt, da muss ich nicht umsteigen.
Ich denke jedenfalls, dass dieses System mit diesem "Piepser" sehr technisiert und fortschrittlich ist :) aber ich freue mich trotzdem darauf, bald mal ein richtiges Monatsticket zu bekommen. Auf die Dauer sind diese Mehrfahrtenkarten nämlich richtig teuer.
Hier in Riga ist immer noch alles schick. Ich fühle mich nach wie vor wohl, obwohl es ein wenig seltsam ist, mit sovielen Leuten zusammen zu leben und die Hälfte davon grüßt nicht mal, wenn man sich auf dem Gang oder im Bad begnet. Das ist wirklich schade. Da kannst du Guten Tag in allen möglichen Sprachen sagen, aber es kommt nichts zurück. Ich hoffe, dass wird noch.
Heute war auch mal wieder was, dass mich daran erinnerte, warum ich eigentlich meine eigene Wohnung und mein eigenes Klo bevorzuge. Ich komme aus der Stadt und muss dringend aufs Klo und dann stehen da zwei Typen, pinkeln im Stehen und die Türen sind sperrangelweit geöffnet. Klar, ich weiß wie sowas aussieht, aber es gibt Sachen, die kann man doch für sich behalten :) Trotzdem, es hat was, dieses zusammenwohnen hier.
Gestern waren wir auf dem Markt und haben festgestellt, dass Obst und Gemüse dort wesentlich billiger sind, als wenn man sie um Supermarkt kauft. Ich fand es total urig, wie dort die Babuschkas (ich kann mir nicht helfen, die Damen sehen für mich wie richtige Babuschkas aus) ihre Waren an den Mann/die Frau gebracht haben.
Abends waren wir dann auf dem Konzert im Studentenclub hier. Ich mag den Club, werde sicher noch öfter dorthin gehen. Wir haben uns da mit zwei anderen Erasmusstudenten getroffen und mit Ingolf, der mittlerweile mit dem Auto auch den Weg aus Deutschland hierher gefunden hat. Das Konzert war ganz okay, drei Bands für zwei Lats und dazwischen gute Musik. Die letzte Band, die berühmte lettische Band Astro'n'out, von der wir uns unheimlich viel erwartet haben, hat uns dann doch mehr als enttäuscht. War die Musik doch relativ langweilig und als es dann an die Zugaben ging, gabs nochmal die Lieder, die sie zu Beginn gespielt haben. Schade, schade, da hätte mehr draus werden können. Trotzdem: der Abend war sehr sehr lustig, Tanzen mit Naomi ist wirklich eine Erfahrung ... Ihrem Tanzstil sieht man an, dass sie Amerikanerin ist. Nachdem wir dann den Studentenclub verlassen hatten, wollten wir noch was trinken gehen, es war um zwei in der Nacht. Dieses Vorhaben stellte sich als reichlich schwierig heraus. Um die Zeit bekommt man in der Woche kaum noch was in Riga. Aber wir wurden fündig. Und haben den Abend in der "schwarzen Katze" noch gemütlich ausklingen lassen.
Heute lagen wir dann bis Mittags in den Betten, obwohl schon mächtig Lärm auf unserem Flur war. Zum späten Frühstück hat Naomi uns Scrambled Eggs gezaubert und dann haben wir uns mit ihrem "Buddy" in der Stadt getroffen. Alles in allem war das wieder ein schöner, wenn auch recht kurzer Tag, weil wir jetzt schon wieder müde sind. Naomi und ich haben vorhin eindeutig zuviel Wein getrunken. Soviel, dass wir fast ihre Visakarte im Restaurant vergessen hätten. Zum Glück ist uns die nette Kellnerin nachgelaufen. Jetzt bin ich gespannt, was die nächsten Tage so bringen. Freitag ist Introducingmeeting für die Exchange-Students. Ich hoffe, da klären sich dann einige Sachen in Bezug auf Uni und so. We will see.
Ansonsten vielleicht noch ein paar kleine Beobachtungen aus dem lettischen Leben. Der McDonalds in der Stadt hat die ganze Nacht geöffnet, für die Nachtschwärmer unter den Bewohnern, ebenso das Starbucks-ähnliche Restaurant Double Coffee, dass wirklich leckere Kaffeemischungen hat.
An jeder Ecke ist hier eine Spielhölle und nachts schläft die Kommandante in ihrem Pförtnerhäuschen und muss aufspringen, wenn Wohnheimbewohner kommen, weil nachts die Einlasschipkarten offenbar nicht funktionieren. Die Post landet im Wohnheim auf einem Tisch im Foyer und man muss gucken, ob etwas für einen dort liegt, für Pakete gibts Abholscheine.
Nun denn, ich bin müde. Der Wein hat mich duselig gemacht. Gute Nacht allerseits.
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