Dienstag, 29. September 2009

Von den Abenteuern des Alltags und einem Wochenende auf dem Land

Es ist Dienstag. Wieder ist eine Woche vergangen seit meinem letzten Blogeintrag. Passiert ist wieder allerhand, aber es fehlte die Zeit um alles aufzuschreiben. Jetzt habe ich zwischen meinem Vorlesungsmarathon am Morgen und dem Lettischkurs am Abend etwas Zeit und die will natürlich sinnvoll genutzt werden.
Für den letzten Mittwoch hatten Naomi und ich eigentlich ein kleines gemeinsames Vorglühen in unserem Wohnheimzimmer geplant. Leider hatte dann keiner Zeit zu kommen
(ich glaube ja eher, dass sich niemand in unser ach so gefährliches Viertel getraut hat ;-)) Wir haben uns dann also mit unseren Alkoholitäten alleine ein paar schöne Stunden gemacht. Irgendwann hat Naomi noch Ingolf eingeladen und im unteren Flur haben wir noch zwei Italiener aufgetrieben. Es wurde dann also noch ganz lustig. Mit dem festen Vorsatz, die Frenchbar diesmal zu meiden haben wir uns anschließend auf den Weg in die Stadt gemacht. Wir waren in einer winzigkleinen, aber sehr tollen BrazilBar. Das war dann auch wirklich angenehm. Die hat nämlich den unschlagbaren Vorteil, dass man atmen kann. Und einem sitzt niemand auf dem Schoß. Ganz sind wir dann aber doch nicht um die FrenchBar drumherum gekommen. Wir sind dann doch nochmal dort eingekehrt. Man konnte fast atmen und es war einigermaßen auszuhalten. Aber ich weiß nicht, ein großer Fan werde ich von der Bar irgendwie nicht. Besonders fantastisch wurde es dann, als in der FrenchBar ein übermäßig nationalstolzer Georgier einen handfesten Streit mit ein paar ebenso nationalstolzen Russen bekam. Ich glaube, so schnell habe ich die Leute noch nie aus der FrenchBar rennen sehen. (Höchstens rein, wenn die Polizei vorfährt und draußen alle ihr Bier genießen. Ist ja verboten in der Öffentlichkeit). Das war aber auch wirklich ein bisschen beängstigend. Zum Glück ist nichts passiert. Aber die Laune ist mir dann wirklich vergangen. Es ging dann also nur noch nach hause.
Den Donnerstag über habe ich mich ziemlich gelangweilt. Irgendwie war niemand da und überhaupt war das ein richtig blöder Tag. Das war der erste Tag in der Zeit die ich jetzt in Riga bin, an dem ich mir dachte: "Also jetzt wärst du lieber in Deutschland." Dabei war der Donnerstag eigentlich ein Jubiläum. 4 Wochen! Aber ich habe dann viele aufmunternde Worte gehört und irgendwann hob sich dann die Stimmung. Ja. So ist das manchmal. Und obwohl ich am Donnerstag nichts gemacht habe, habe ich dann am Freitag bis sage und schreibe halb 12 geschlafen. Unglaublich aber wahr. Dabei hat Naomi sich wirklich bemüht mich zu wecken. Aber ich habe sie erfolgreich ignoriert (ein hoch auf meine Erfahrung im Zimmer teilen). Es gab ja auch keinen Grund zeitig auf zu stehen. Freitag ist ja ohnehin erst ab 14Uhr Uni. Abends haben wir uns dann noch ein Chorkonzert an der Uni angeschaut. Die University of Latvia feiert nämlich ich 90jähriges Bestehen und da ist natürlich allerhand los. Aber das Chorkonzert war jetzt nicht so der Hit. Dabei hat man dafür extra einen Chor von der Karlsuniversität in Prag einfliegen lassen. Tja. So kanns gehen. Ich persönlich fands eher langweilig.
Das Wochenende war dann etwas ereignisreicher. Mit Naomi bin ich mit dem Zug nach Jēkabpils gefahren. Naomi war dort schon ein Wochenende vorher. Sie kennt aus dem Chor einen Letten, Janis, der hat uns eingeladen. Mit dem Zug sind wir am Samstag also los gezuckelt. Das war übrigens meine erste Zugfahrt in Lettland. Der Zug ist langsam aber gemütlich. Jeder Wagen hat seinen eigenen Schaffner und es ist wirklich günstig. Viel gesehen habe ich unterwegs allerdings nicht. Was möglicherweise auch daran lag, dass es einfach nichts zu sehen gab. Teilweise ist Lettland wirklich nicht sonderlich dicht besiedelt ;-)
In Jēkabpils hat uns Janis dann abgeholt und wir sind bei ihm zuhause mit offenen Armen empfangen worden. Ich habe mich gleich richtig wohl gefühlt. Die Familie ist unglaublich nett und herzlich und alle haben sich um uns gekümmert. Ingolf ist dann später noch nach gekommen. Abends gabs essen wir geschätzte 100Leute. Janis Familie hat eine Saune und da ist man dann auch fleißig reingegangen. Nackt. Natürlich Männer und Frauen getrennt. Also, anfangs wars eine ganz schöne Überwindung, aber es war dann wirklich in Ordnung. Was vielleicht auch an dem Wodka lag. Jedes mal, wenn man aus der Saune kam (und ich war viermal drin) hörte man: "Und jetzt musst du einen Wodka trinken." Also gut. Gesagt, getan. Es war ein wirklich lustiger Abend. Zum Abschluss der Saunaorgie hat Janis Vater noch irgendwelche speziellen Massagen mit Birkenzweigen gegeben. Es war wie im Wellnessurlaub (auch wenn ich noch nie einen gemacht habe). Der Abend war sehr schön. Gemütliches Beisammen sein, Shisha rauchen, saunieren, trinken, essen. Und alles nackt (Sauna) oder in Handtuch und Pullover (alles andere). ja, hier erlebt man was.
Sonntag ging es dann erst auf eine Art Erntedankfest, auf dem Janis mit seiner Folkloretanzgruppe aufgetreten ist. Es ist wirklich lustig anzusehen, wie sich die tussigsten Mädels und die größten Prolls in ihre Volkstrachten werfen (stellt euch jetzt aber keine Lederhosen oder sowas vor) und dann hinterher wieder zurück in ihre normalen Outfits. Das war echt der Hit. Danach ging es dann zu dem eigentlich Grund, weswegen wir in Jēkabpils waren: Cranberries ernten. Janis Familie hat total viel Land und dort wird so einiges angebaut. Unter anderem auch Cranberries. Die haben wir dann geerntet. Das war ein Spaß. Auf Eimern sitzend im Cranberry-Feld. Sowas hab ich auch noch nie gemacht. Abends war dann nicht mehr viel mit uns los, wir haben sage und schreibe von 5 bis Mitternacht vor dem Fernseher gehockt. Eigentlich wollten wir nur eine Art DSDS gucken, allerdings mit Chören, da Janis Vater in einem Chor singt, der dort teilgenommen hat, aber irgendwie konnten wir nicht aufhören. Wie das mit dem Fernsehen eben so ist.
Montag ging es dann zurück nach Riga. Es hat die ganze Zeit geregnet und die lettischen Straßen sind zum Teil eher Feldwege als Straßen.
Zurück in Riga hat uns dann erstmal das Verkehrschaos in seine Krallen bekommen.
Wir sind dann abends noch ins Kino gegangen und haben uns "The Ugly Truth" angeschaut. Montag ist nämlich Kinotag.
Ja und das war sie schon, meine letzte Woche.
Ich habe, gerade am Wochenende, viel über Lettland gelernt. Also irgendwie. Zum Beispiel ist mir mal der krasse Unterschied zwischen Riga und dem restlichen Teil des Landes aufgefallen. Riga, die Touristenmetropole. Alles schick, alles neu, alles restauriert. Und der Rest. Grau, ab und an heruntergekommen. Aber gemütlich und herzlich. Außerdem habe ich mich mit einer Art Rassismus konfrontiert gesehen, die ich noch nie so kennengelernt habe. So lieb und toll Janis Familie ist. Ab und an waren sie mir doch ein bisschen unheimlich. Man hetzt gegen Russen und Zigeuner. Vorurteile gibt es zuhauf. Zum Teil war das wirklich unangenehm anzuhören. Ich kann das zum Teil auch verstehen, aber andererseits bin ich nunmal ganz anders erzogen worden und da ist nunmal jede Form von Rassismus gleichschlecht. Aber das gehört wohl dazu, hier in Lettland. In meinem Wohnheim gibt es zwei Jungs, einen Letten und einen Russen, und es ist schön zu beobachten, dass die beiden dicke Kumpel sind. Das ist doch ein positiver Schritt.

Ja und nun ist Dienstag. Heute früh war wieder die lettische Vorlesung. ich habe wieder nur die Hälfte mitbekommen und im Seminar habe ich immer nur fragend geantwortet, wenn mich jemand ansprach. Herje, ich muss wirklich an meinem Lettisch arbeiten. Danach bin ich mit Franzi Eishockeytickets kaufen gegangen. Das war gar nicht so einfach. Aber zu guter letzt haben wir es doch geschafft und ich bin schon ganz gespannt auf das Spiel morgen: Dinamo Riga vs St. Petersburg. Unsere Plätze sind zwar jetzt nicht der Hammer, aber was will man machen. Ich freu mich schon sehr.
Außerdem freue ich mich, dass gerade die Sonne hervor kommt. Heute hat es nämlich den ganzen Tag geregnet. Ich habe schon nasse Schuhe. Aber jetzt scheint es sich beruhigt zu haben.
Ich werde jetzt mal Hausaufgaben machen. Wünsche euch eine schöne Woche, wenn ich nicht eher von mir hören lasse ;-) Liebste Grüße aus Riga!

P.S. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen lieben Briefschreibern bedanken. Sylvia (das Täschchen wurde schon genutzt, liebsten Dank nochmal), Manu (Anwort ist unterwegs), Céline, Mama und Anni und natürlich Sabrina (die die inoffizielle Liste anführt ;-)). Ich komme mit dem Antworten gar nicht nach. Also nehmt es mir nicht übel, wenn ihr etwas warten müsst. 10000dank nochmal!

1 Kommentar:

  1. Wer hat den gewonnen bei dem Spiel? Ich hoffe, die Russen haben die Letten ordentlich fertig gemacht... :) Damit die Letten wieder nen Grund haben die Russen zu hassen.
    Achso, und du gehst ganz schön oft feiern was?

    AntwortenLöschen