Donnerstag, 12. November 2009

Von bunt zu grau zu rot-weiß-rot

Hallo mal wieder, verehrte Leserinnen und Leser ;-), aus dem momentan wieder etwas tristen, grauen, nass-kalten Riga. Es ist schon wieder Donnerstag, die Woche neigt sich dem Ende entgegen und mir wird mal wieder bewusst, wie fix die Zeit doch vergeht. Sie rennt und rennt und rennt und bald ist Dezember, dann ist Weihnachten, dann Neujahr und wir haben 2010. Kaum zu glauben. Ich frage mich, warum mir nie aufgefallen ist, wie schnell die zeit vergeht, als ich noch jünger war. Seit ich älter als 16 bin habe ich das Gefühl, dass die Zeit nur so verfliegt. Woran das wohl liegen mag? Naja, gehört ja nicht hier her, aber man macht sich ja so seine Gedanken. Vorallem, wenn es schon um Vier draußen dunkel wird. Glaubt mir, da denkt man über die seltsamsten Dinge nach. Ja. Wie gesagt, zur Zeit zeigt sich Riga nicht von seiner besten Seite, zumindest das Wetter nicht. Und da ich ja ziemlich wetterabhängig bin, also was meine Stimmung betrifft, zieht mich das ein wenig runter. Aber was will man machen? Man kann ja nicht immer lustig sein. Die Überschrift beschreibt aber ziemlich gut meine Stimmung in den letzten Tagen. Genug der Vorrede.

Der bunte Teil
Die letzte Woche war mal wieder ein Highlight meiner Zeit in Riga. Nachdem Montag, Dienstag, Mittwoch nicht viel passiert ist (was auch daran lag, dass ich fast drei Tage am Stück tierisch Kopfschmerzen hatte und zu nichts zu gebrauchen war) außer, dass ich Mittwoch einen kurzen Ausflug nach Jelgava gemacht habe, wo es allerdings nicht sonderlich viel zu sehen gibt, kam am Donnerstag die Sylvia nach Riga. Ich war ja schon die ganze Woche davor total aufgeregt und hab mich riesig auf sie gefreut und passenderweise ist Naomi an diesem Wochenende auch weggefahren, sodass wir die Bude für uns hatten. Donnerstagabend hab ich Sylvia vom Flughafen abgeholt und dann sind wir erstmal ins Wohnheim. Ich kam mir vor wie Weihnachten, weil Sylvia unheimlich viel Zeug für mich dabei hatte (an dieser Stelle gleich mal: danke Gunnar für die Ohrringe, saucool, und für den Adventskalender, supersüß. Danke Mama, dass du Sylvia die Sachen mitgegeben hast und natürlich Danke Sylvia, dass du alles mitgebracht hast, danke für die Kerze und für den Tee und für die Salzstangen und überhaupt gleichmal, danke dass du hier warst!!!). Nachdem wir uns hier ein bisschen eingerichtet hatten sind wir in die Stadt gefahren, waren Pizza essen und dann in der SkylineBar. Passenderweise hat es an dem Abend ein bisschen geschneit und man kam sich richtig wie im Winter vor. Sehr schön.
Den nächsten Tag haben wir mit einer Stadtführung verbracht. Gleich als erstes sind wir aber vom allgemeinen Sightseeing-Pfad abgekommen und sind im Medizinhistorischen Museum gelandet. Dort ist es zum Teil ziemlich gruselig. Gibt es doch eine Art Wachsfigurenkabinett zum Thema: Medizin im Mittelalter oder alte Untersuchungsstühle oder das ausgestopfte Versuchsobjekt eines russischen Forschers (er versuchte den Vorderkörper eines Hundes, also Kopf, Hals, Vorderpfoten, auf den Rücken eines anderen Hundes zu verpflanzen. Warum auch immer. Ich finds krank.)





Außerdem gab es einen Teil in dem ausgestellt war, was Kinder aus dem Kinderkrankenhaus alles so verschlucken. Da waren zum Teil wirklich schräge Sachen dabei. Nicht nur Knöpfe oder Murmeln, nein auch Zahnbürsten oder kleine Cremedosen.
Es war jedenfalls sehr interessant. Danach sind wir dann weiter auf den touristischen Pfaden Rigas gewandelt. Die üblichen Sehenswürdigkeiten und zwischendruch einkehren in ein Café zur Stärkung. Abends sind wir dann zum Basketball gegangen. VEF Riga : Lauvas Liepaja. Wir saßen erste Reihe direkt hinter dem Korb. Sehr lustig. Auch wenn die Stimmung in der Halle eher zu wünschen übrig ließ. Dafür war das Spiel nach einigen Anlaufschwierigkeiten ziemlich gut und spannend. Von zehn Uhr morgens bis 11Uhr abends waren wir an diesem Tag auf den Beinen und abends dann ziemlich k.o. Wir haben uns dann zuhause schön bekocht und den Abend gemütlich "vor dem Fernseher" verbracht. Wie in Greifswald ;-)
Hier ein paar Eindrücke:






Samstag haben wir uns aufgemacht, mit dem zug nach Jurmala zu fahren. Zwar war das Wetter nicht unbedingt geeignet für einen Strandspaziergang, aber immerhin: es hat nicht geregnet (wie übrigens die ganze Zeit nicht) und es waren doch erstaunlich viele Menschen in Jurmala unterwegs. Die Zugfahrt war sehr entspannt, dauert auch nur eine halbe Stunde. Wir sind dann ein wenig auf der Promenade entlang flaniert und dann am Strand und später wieder zurück. Zu Mittag haben wir uns mal richtig was gegönnt, waren indisch essen. Wirklich sehr lecker. Zurück in Riga sind wir noch ein bisschen durch die Stadt gebummelt. Sylvia hat in einem witzigen Laden alte Brillengestelle gekauft, die wir uns dann zum Spaß abends aufgesetzt haben. Typisch wir. Außerdem bin ich jetzt stolze Besitzerin neuer Stiefel, die waren auch wirklich nötig. Meine alten hatten schon Löcher. Danke Sylvia, fürs gut zureden ;-) Später sind wir dann noch auf ein Konzert gegangen. Die Hauptband hatte mehrere Vorbands und eine war so richtig blöd. Der Sänger war schon total besoffen. Die anderen bandmitglieder konnten einem da schon leid tun. Aber die Musik wurde besser. Leider sind die Letten etwas steif. Sylvia und ich haben teilweise alleine Stimmung gemacht und getanzt. Aber es war lustig. Nachts um halb drei haben wir uns dann dazu entschieden, dass wir jetzt unbedingt noch eine heiße Schokolade brauchen und sind bei Double Coffee eingekehrt, wo es auch gleich noch lecker Eisbecher gab.






Der Sonntag verlief dann sehr entspannt. Wir haben lange geschlafen, sind dann nochmal zum Rumbummeln aus dem Haus, haben Abends Käsespätzle gekocht und es uns noch gemütlich gemacht. Das war auch noch sehr lustig.
Montag ging es dann leider an die Abreise. Ich habe Sylvia zum Flughafen gebracht, dort haben wir noch einen Kaffee getrunken, weil wir viel zu zeitig da waren. Später hab ich Sylvia dann an der Sicherheitskontrolle verabschiedet und mich auf den Heimweg gemacht.
Und damit beginnt der graue Teil
Ich war ganz schön traurig, als ich Sylvia verabschiedet habe und als ich zuhause war, musste ich erstmal ein paar Tränchen verdrücken. Es war eben so schön jemand hier zu haben, der einen schon lange kennt und mit dem man über alles mögliche blöde reden kann und so. Außerdem war das Zimmer ohne jemanden so leer.
Später hab ich dann auch noch erfahren, dass mein Kater zuhause in Deutschland eingeschläfert werden musste. Oh Mann, da hab ich vielleicht geheult. Echt schlimm. An dieser Stelle mal ein Kurzes Innehalten für meinen Leo, bitte.

Ja, das war ein grauer Tag, da war ich ganz schön fertig.
Aber so ist das Leben. Am Dienstag ist Naomi wieder gekommen, es ging wieder zur Uni und alles hat sich normalisiert. So ist das in der Welt. Es geht immer weiter.

Gestern startete dann rot-weiß-rot. Die lettischen Nationalfarben. Zur Zeit sieht man sie hier überall. Der November ist nämlich ein wichtiger Monat im lettischen Kalender. Erst Lāčplēša Diena, am 11.11 der Tag an dem man dem Vertreiben der Russen aus Riga gedenkt. Es gibt eine Militärparade, der Präsident spricht (habe ich sogar gesehen), am Freiheitsdenkmal werden von den verschiedenen Botschaftern Blumen abgelegt, die Leute zünden Kerzen an. Abends wird ein Holzstapel in Brand gesetzt und in die Daugava gelassen. Allerdings habe ich da den Hintergrund nicht erfahren. Alles in allem sehr beeindruckend. Nächste Woche, am 18.11 ist dann ein Feiertag, da gedenkt man der ersten Proklamation der Republik Lettlands. Ich bin gespannt was da so los ist. Schon seit letzter Woche hängen in der gesamten Stadt überall Flaggen. Man ist hier ja sehr patriotisch und ich finde das eigentlich auch nicht schlecht. Ab und an kann man schonmal ein bisschen patriotisch sein. Aber da soll mich jetzt bitte keiner falsch verstehen!!! :-)

Ja und sonst? Heute machen Naomi und ich uns einen gemütlichen Abend. Das heißt: wir gehen nicht aus zum trinken, wir trinken zuhause ;-) Außerdem habe ich heute meine Aufenthaltsgenehmigung abgeholt. Juhuu. Morgen geh ich vielleicht in ein Konzert. Am Wochenende möchte ich zum Basketball. Außerdem ist ab Samstag das Festival of Lights in Riga. Da werden verschiedene Sehenswürdigkeiten beleuchtet und angestrahlt. ich stelle mir das so vor, wie in Berlin. Ich bin sehr gespannt und freu mich schon.
Sonst gibt es eigentlich nichts weiter.
Ich möchte nochmal kurz auf das aktuelle Weltgeschehen eingehen:
- In Lettland gab es den ersten Schweinegrippetoten und man empfiehlt den öffentlichen Verkehr zu meiden. Ha. Toller Witz.
- Fußballdeutschland trauert um Robert Enke. Tragische Geschichte. Ich bin auch ein bisschen ergriffen.
- in der Eiffel rennt ein Panther rum?! Ernsthaft?

Ja nun, mehr gibt es eigentlich nicht zu erzählen. Seid lieb gegrüßt!
Jana

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