Und wieder neigt sich ein Sonntag dem Ende entgegen. Wenn ich mich nicht verzählt habe, dann bin ich nun seit neun Wochen und drei Tagen hier. Manchmal kommt es mir wie eine Ewigkeit vor, an anderen Tagen habe ich wieder das Gefühl, dass ich doch gerade erst angekommen bin und frage mich, wie es sein kann, dass schon fast die Hälfte der Zeit um ist. Viele von den Erasmusstudenten fahren schon vor Weihnachten und kommen im neuen Jahr nicht noch einmal hier her. Es ist wirklich merkwürdig, dass es dann bald schon wieder Zeit, ist Abschied zu nehmen. Aber eigentlich möchte ich daran noch gar nicht denken. Momentan steht noch soviel an, diverse Besuche, allen voran ab nächten Donnerstag Sylvias (ich plane schon fleißig ;-)), Ausflüge, Wochenendtrips und natürlich auch jede Menge für die Uni. Die normalen abendlichen Aktivitäten brauche ich an dieser Stelle eigentlich nicht mehr zu erwähnen, die sind ja schon fast Alltag :D
Seit zwei Tagen ist das Wetter in Riga wieder richtig toll. Kalt und sonnig. Ich hoffe, dass der restliche November ebenso wird. Allerdings soll es nächste Woche schon wieder etwas schlechter werden. Wir werden sehen. Ich habe -mal wieder- das Gerücht gehört, dass Schnee kommen soll. Das wäre doch mal was. Lassen wir uns überraschen. Ich freue mich auf jedenfall ganz außerordentlich auf meine Winterjacke!
Die vergangenen Tage waren wieder sehr schön Und mein Wochenende recht kulturell.
Am Mittwoch war ich abends beim Erasmus-Filmabend. Zu sehen: Der russische Film "Operation y". Ich persönlich fand es sehr witzig, auch wenn mich die umherkreisenden Popkorn- und Chipsschüsseln teilweise ein wenig vom Film abgelenkt haben... Warum nur?! Danach sind wir noch in ein Irish Pub gegangen. Ein paar Tschechinnen haben mir gesagt: "You drink like czech people." Ich habe das mal als Kompliment aufgefasst und gemeint: "I learned drinking in Czech Republic." Habe anschließend auch noch ein paar Brocken Tschechisch aus den hintersten Ecken meine Gedächnisses hervor geholt und richtig Eindruck geschindet. Lustig wars.
Am Donnerstag gings zur Einwanderungsbehörde. Ich habe mich endlich mal um eine Aufenthaltsgenehmigung bemüht. Viele der Erasmusstudenten machen das nicht, aber ich wollte doch mal lieber auf Nummer sicher gehen. Nun bekomme ich in zwei Wochen eine Aufenthaltsgenehmigung für fünf Jahre. Sollte ich also nochmal einen längeren Aufenthalt in Lettland planen steht dem nichts im Wege. Sehr praktisch. Abends war ich bei Julia und ihrer WG zum Abendessen eingeladen. Es gab selbst gemachte Schwäbische Spätzle. Ein Traum. Danach konnten wir uns allerdings auch durch die Wohnung rollen. Julias Wohnung ist übrigens ebenfalls ein Traum. Mitten in der Altstadt. Ganz oben, Altbau. Lift. Wundervoll. Da kam doch wieder die Sehnsucht nach (m)einer eigenen Wohnung durch. Wir hatten dann beim Popstars gucken auch noch einen sehr lustigen Abend. Später habe ich dann den letzten Bus nach hause genommen und ratet mal, wen ich da treffe: Naomi, die gerade mit ihrem Chor aus den Niederlanden zurück kam. Was für ein schöner Zufall. Als wir dann im Wohnheim ankamen und Naomi sich wieder eingerichtet hatte, war auch bald wieder alles wie immer: Chaos (das ich auch alleine verbreiten kann, aber zu zweit machts eben einfach mehr Spaß), klassische Musik (die ich selber doch eher selten höre) und nächtliche Telefonate mit einem besonderen Italiener (die ich selbst nie führe). Nun ist es, als wäre Naomi nie weg gewesen. Der Freitag ging dann damit los, dass ich vormittags völlig umsonst das haus verlassen habe, denn die Vorlesung "History of the Latvian Minorities", die eigentlich Freitag beginnen sollte fiel aus und beginnt nun erst nächste Woche. Es ging dann also erstmal wieder nach hause und dann später ein zweites Mal in die Stadt zu der üblichen Freitagsvorlesung. Danach gingen Naomi und ich zu unserem -mittlerweile schon traditionellen- Freitagnachmittag-Mittagessen.
Abends folgte dann -man kann sagen, mal wieder- ein Eishockeyspiel. Seltsamerweise schon wieder gegen SKA St. Petersburg (das erste Spiel, das ich gesehen habe war ebenfalls gegen SKA). Ich fand, das war ein Superspiel. Endliche mal richtig Action ;-) Mehrere Unterbrechungen wegen Schlägereien auf dem Eis. Teilweise saßen 3 Spieler auf der Strafbank! Und zwei mussten schließlich sogar in die Kabine. Eishockeyschiedsrichter möchte ich wirklich nicht sein. Zwischen die Jungs möchte ich mich nicht stellen müssen... Trotzdem wars ein wirtklich gutes Spiel und Riga hat -im Gegensatz zum ersten Spiel- gewonnen. 4:1 Sehr gut.
Danach sind wir in die Stadt gelaufen. Kurze Zwischenstops mussten eingelegt werden, weil Julia immer wieder aufs Klo musste. Dabei war die Strecke jetzt nicht sooooo weit. In der Stadt haben wir uns wieder mit den Tschechinnen getroffen und den Abend ausklingen lassen.
Das Wochenende war dann weniger Alkohollastig. Ich habe mein bestes getan um Halloween zu ignorieren (wir wissen ja alle, was für ein großer Fan ich von Kostümfesten bin. Dabei ist Halloween noch besser als Fasching...) und Naomi wollte richtiges, Amerikanisches Halloween oder gar keins. Wir haben uns für gar keins entschieden und sind ins Kino gegangen um "Die Frau des Zeitreisenden" anzusehen. Das war mal wieder ein richtiger Mädchenfilm. Wir haben ja sooooooo geweint. Danach hatten wir dann auch keine Lust auf gar nichts mehr und sind nach hause gegangen, haben Schokolade gegessen und uns unserer sentimentalen Stimmung hingegeben. Hach, wie war ich traurig. Guckt euch den Film an und nehmt genug Taschentücher mit!
Heute ging es dann ins Theater. Ein kleines Theater. Drei Stuhlreihen mit vielleicht 20 Plätzen. Was wir geschaut haben? Am Anfang wusste ich es selbst nicht. Naomi hat es ausgesucht. Auf lettisch hieß es "Ilgu tramvaj" und auf englisch "A streetcar named desire" und ich kannte beides nicht. Zuhause habe ich dann mal bei google geschaut und rausgefunden, dass wir "Endstation Sehnsucht" gesehen haben. Da kenne ich doch zumindest den Titel. War auch wirklich gut gemacht. Zu Beginn habe ich zwar kaum etwas verstanden, aber dann habe ich mich reingehört und doch einiges mitbekommen. Bin ausnehmend stolz auf mich.
So und nun ist abend und ich werde es mir gleich mit einem Film gemütlich machen.
Morgen werde ich mich dann den ganzen Tag der Uni widmen. Habe ich mir fest vorgenommen. Dienstag schreiben wir einen Test in Lettisch.
Also, einen schönen Abend euch allen!
Liebe Grüße aus Riga!
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