Montag, 31. August 2009

Seit vier Tagen in Riga

Hier bin ich nun, seit 4 Tagen heißt mein neuer -vorübergehender- Wohnort Riga, Maskavas Forstate, Wohnheim. Zimmer 203, das Bett neben der Tür :)Wie ich in das Bett neben der Tür gekommen bin? Nun, beginnen wir von vorn. Nach den letzten Prüfungen und den folgenden entspannten Tagen zuhause und dann bei der Familie in Berlin folgte ein etwas holpriger Start am Donnerstag (27.8.09) in mein Riga-Abenteuer.Buchte ich doch bei Baltic Air zwei Gepäckstücke, in dem Glauben, dass ich dann 40 Kilo Gepäck mitnehmen kann. 20 kg für jedes Gepäckstück. Naive Jana. Das war natürlich nicht der Fall. Zwei Gepäckstücke die insgesamt 20kg wiegen waren erlaubt. Da hieß es also: umpacken. Handtuch raus, Winterjacke raus, alle Dinge für die Gemütlichkeit raus. Kurzum, alles musste da bleiben, was nicht unbedingt notwendig war. Ich hätte natürlich auch 195Euro für das Übergepäck zahlen können... Aber nein danke. Zum Glück verlief die restliche Reise dann relativ unspektakulär. Am Riga International Airport holte mich und Franziska mein „Buddy“ Anita ab. Es war so süß, wie sie da mit ihrer Schwester stand, mit Schildern in der Hand auf denen unsere Namen standen.Die Mädels haben uns dann sicher und wohlbehalten in unser Wohnheim gefahren. Ich bin so froh, dass sie uns abgeholt haben. Allein hätten wir das nie gefunden. Trotz detailierter Wegbeschreibungen von anderen ehemaligen Erasmusstudenten. Hier wusste natürlich niemand irgendwas. Die Kommandantes (Pförtnerinnen) hatten keine Ahnung das wir kommen und guckten erstmal ein wenig ungläubig. Aber letztenendes haben wir Zimmer bekommen. Die erste Nacht hat Franzi bei mir geschlafen. Zum Glück. Sonst wären noch ein paar Tränchen geflossen, obwohl ich finde, dass ich den Abschied relativ tränenarm gemeistert habe :) Wir haben uns beide ein bisschen einsam und verloren gefühlt, da war das ganz gut. Viel los war natürlich nicht mehr mit uns. Es war mitten in der Nacht und wir müde und k.o. Aber trotzallem, ich war aufgekratzt und nervös und konnte gar nicht richtig glauben, dass ich nun wirklich in Riga war.

Der Freitag verlief dann ereignisreicher. Früh hieß es gleich mal Frühstück kaufen. Wir hatten ja nix und waren dementsprechend ausgehungert. Hier in der Nähe ist ein Supermarkt, der Supernetto. Ich empfehle ihn nicht. Naja. Wir haben uns gleich noch SIM-Karten und Guthaben gekauft. Schließlich haben wir uns aufgemacht in die Stadt. Dabei konnten wir gleich feststellen, dass Maskavas Forstate, unser Stadtteil ein seltsamer Ort ist. Sowjetbauten neben kleinen Holzhäuschen, russisch-orthodoxe Kirchen neben einem Kindergarten. Die Gegend ist zum Teil total ranzig und merkwürdig, aber irgendwie hat das auch seinen -wenn auch gammeligen und rustikalen- Charme. Ich persönlich mag es hier sogar ganz gerne. Die Leute hier sind auch interessant. Frage auf Lettisch nach dem Weg, dann bekommst du die Antwort auf Russisch. Laufe in Shorts durch die Gegend und alle starren dich an (das weiß ich von meiner Mitbewohnerin).

Das Stadtzentrum ist total anders. Edel, elegant und bestens gepflegt kommt es daher. Es ist kein Wunder, dass die Letten nahezu pleite ist, soviel wie sie in die Restaurierung der Rigaer Altstadt und diverser Jugendstilbauten gesteckt haben müssen. Überall laufen die Ordnungshüter und schauen, dass du weder urinierst, spuckst, Bier trinkst oder Zigaretten auf den Boden wirfst. Dass ist hier an öffentlich Plätzen nämlich total verboten. Wenn man dabei erwischt wird gibt’s satte Geldstrafen. Vielleicht versucht man dadurch, die Staatskassen zu füllen.

Ich muss sagen, ich finde Riga wunderbar. Wir haben natürlich gleich ein bisschen Sightseeing gemacht. Freiheitsdenkmal, Dom, Schwarzhäupterhaus, ... alles, was das touristische Auge begehrt. Hier ist wirklich alles sehenswert. Macht euch selbst ein Bild, am Besten kommt vorbei :)

Ja und die andere Tage? Ich war in der Stadt, die ganze Zeit Sightseeing.

Am Samstag war ich auf einer Erasmusparty, Franzis polnische Mitbewohnerin hat uns eingeladen. Die Party war nicht soooo der Hit. Das lag wohl an den Leuten. Überwiegend deutsche Erasmusstudenten, die eigentlich nur hier sind zum Party machen. Wollen am liebsten unter sich bleiben. Kein Interesse am Land und die Sprache wollen sie auch nicht lernen. Das ist nicht so mein Fall ... Aber es waren ein paar nette Letten da, mit denen wars dann lustiger :) Und nach der Party sind wir noch in eine Bar in der Stadt gegangen. Die Musik war seltsam (stellt euch ein Mix aus Rhiannas Disturbia und Seven Nation Army von den White Stripes vor...) aber es war lustig.

Dabei ist mir aufgefallen, dass sich lettische Frauen gerne schick machen. Ich kam mir total ungestylt vor und habe gelernt: Es ist in lettischen Clubs nicht möglich overdressed zu sein.

Ja und sonst? Gestern kam meine Zimmergenossin, bis gestern bin ich immer nach hause gekommen und dachte: Ist jemand da oder nicht. Gestern kam sie dann. Naomi aus der Nähe von Chicago. Ständig lächelnd, Violine spielend, total lieb, Musikstudentin und ich denke, mit ihr lässt es sich aushalten.

Meine Kontakte hier sind mittlerweile schon sehr international: Amerika, Estland, Japan, Korea, Lettland. Ich hoffe es werden mehr.

Was gibt es außerdem zu berichten? In den letzten Tagen ist soviel passiert... Ich kann nicht alles aufschreiben. Vielleicht ein bisschen war über das Wohnheim.

Ich wohne hier in einem schicken Block (fast wie zuhause :)). Wir sind eine ganze Etage mit vielleicht 20 Zimmer oder sogar mehr, teilen uns zwei Küchen und zwei Bäder. Die Zimmer sind aber groß und gemütlich. Ich kann mich nicht beklagen. Das einzig was nervt ist eventuell der Zug, der hinter dem Haus lang fährt. Wenn der kommt vibriert der Boden.

Übrigens kann ich schon die erste Typisch-Jana-Geschichte erzählen (mal abgesehen von der Sache mit dem Gepäck): Für die Eingangstür haben wir solche Chipkarten. Am Samstag ist mir meine runter gefallen. Normalerweise kein Problem. Aber meine fiel natürlich durch so ein Fußabstreichgitter. Und das Gitter saß dermaßen fest, dass ich es nicht auf bekommen habe. Schließlich kam die Kommandante mit einem Riesenbrecheisen. Nun ja. Zum Glück hat es niemand gesehen :)

What else?! (Ich bin zur Zeit sehr englischsprachig, wegen Naomi, wahrscheinlich kann ich am Ende mehr Englisch als Lettisch. Ich hoffe nicht.)

Heute war Registration an der Uni. Mit Fotos machen für den Studentenausweis. Und Morgen geht es auf ein Konzert.

Das lettische Leben ist ziemlich teuer. Teilweise teurer als in Deutschland. Eine Flasche Öl kostet fast vier Euro! Und auch Drogerieartikel sind nicht gerade günstig. Aber ich spare ja an der Miete würde ich mal sagen. Da kann ich mir auch mal ein teures Shampoo kaufen.

Was ich an Lettland gar nicht mag ist zum einen das bisher wechselhafte Wetter und vorallem das schreckliche Brot hier. Kümmel. Überall Kümmel. Im Brot. Das ist mehr als eklig. An alles die zu Besuch kommen: Bringt mir leckeres Brot mit! Dafür hat Lettland allerdings etwas anderes total leckeres. Das Zeug nennt sich Karums und ist praktisch wie Milky Way, aber drinnen ist Quark und keine Milchcreme. Ich bin jetzt schon total süchtig nach dem zeug. Vermutlich werde ich total fett.

Ja. Ich denke, das waren sie, meine ersten Eindrücke von Lettland. Was ich noch nicht erwähnt habe, ist, dass hier total viel herrenlose Katzen rumstreunen, die aber gut genährt sind, weil die netten Omis die immer füttern. Dafür sind die Tauben hier nahezu unterernährt ... Gut so.

So, das war er, der erste lange Blogeintrag aus Lettland. Ich hoffe ich habe nichts wichtiges vergessen und ihr seid nicht abgeschreckt, wegen der Länge.

Ich umarme euch alle! Küsse aus Lettland!